Wie ein Präsi die Preußen nach oben führte

Zwölf Jahre an der Spitze: Kaum einer hat den TTV Preußen 90 so geprägt wie Thorsten Druschke. In den Jahren voller Aufstiege gab es jedoch auch schwierige Phasen zu meistern. Ein Rückblick.

Wer Thorsten Druschke nach dem Training oder einem Ligaspiel sucht, hat gute Chancen, fündig zu werden. Es geht doch nichts über eine ausführliche Spielanalyse beim Italiener. Meistens an seiner Seite: Frank Beiersdorf. Das war auch vor 25 Jahren nicht anders.

Die Treffpunkte haben sich im Laufe der Zeit verändert, die Besitzer haben gewechselt. Zeitweise ging es in die Clementine, später ins Leander oder ins Schmitz. Thorsten ist geblieben. Zwölf Jahre hat er den TTV Preußen 90 zuletzt als Vorsitzender geprägt – und steht dem Club weiterhin mit seiner jahrelangen Erfahrung zur Seite.

„Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich der Verein kontinuierlich entwickelt hat und zu dem werden konnte, der er jetzt ist“, sagt Thorstens Vorgänger Bernd Milcke. Er hatte Thorsten 2009 in den Vorstand geholt. Zunächst als Kassenwart, vier Jahre später übernahm Thorsten den Vorsitz.

Spitzenspiel in Lübars

Der Verein sah damals im Jahr 2013 noch gänzlich anders aus. Thorsten spielte in der 1. Mannschaft, 2. Kreisklasse. Ende November gab im Spitzenspiel in Lübars ein gewisser Philipp Jaeschke sein Debüt für die Preußen. Das erste Einzel ging verloren. Es sollte seine einzige Niederlage bleiben für diese Saison. Die Preußen wurden Meister und starteten eine beeindruckende Aufstiegsserie. „Mit Philipp kamen auch bessere Spieler zu uns“, erinnert sich Thorsten rückblickend.

Zwölf Jahre später ist der Verein in jeder Spielklasse Berlins vertreten. Zwölf Mannschaften, davon zwei Damen-Teams. Die 1. Mannschaft kämpft in der Verbandsliga um den Aufstieg. Insgesamt 140 Mitglieder spielen im Verein, davon mehr als 60 Kinder und Jugendliche.

Das klingt alles stark nach Bilderbuch. Dabei gab es vor und während Thorstens Zeit bei den Preußen durchaus schwierige Zeiten zu meistern. Vor knapp 25 Jahren hatte Thorsten den Tischtennis-Schläger wegen des Jobs noch an den Nagel gehängt. Erst nach acht Jahren fand er den Weg zurück an die Platte. Auch damals hatte Sandkasten-Kumpel Frank seine Finger im Spiel. „Gut für Thorsten und für den Verein, dass ich ihn damals wieder aktivieren konnte“, erinnert er sich.

„Ich liebe Herausforderungen“

Wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen, scheint man Thorsten aber auch nicht lange bitten zu müssen. Bei Verdi vertritt er Arbeitnehmerinnen und Arbeiternehmer, an der Schule seiner Kinder engagierte er sich jahrelang als Gesamtelternvertreter. Er selbst sagt über sich selbst: „Ich liebe neue Herausforderungen.“

Davon gab es auch in seiner Zeit als Vorsitzender einige. Ein Dachschaden in der Jessner-Halle, der Umzug in die Scharni, auch innerhalb des Vereins kam es zu Unstimmigkeiten. „Es war nicht immer einfach, die richtigen Leute für den Vorstand zu finden, die seine Arbeit unterstützten“, sagt Bernd. Doch Thorsten trat immer wieder als Vermittler auf und schaffte es so, die Wogen zu glätten und Probleme zu lösen.

Als eine seiner größten Herausforderungen als Präsi stellten sich die Corona-Jahre heraus. Sport-Vereine kamen kaum hinterher, die ständig wechselnden Maßnahmen umzusetzen. Die Spannungen in der Gesellschaft waren auch im Verein spürbar. Zwei Jahre nach dem Ende der Pandemie kann man festhalten: Die Preußen haben die Corona-Krise gut überstanden. Die Mitgliederzahlen sind weiter gestiegen, der Verein hat berlinweit an Bedeutung gewonnen.

Übergang gemeistert

Das ist auch und vor allem Thorstens Verdienst! Nun hatte er seine letzte Herausforderung als Vorsitzender vor sich. Eine Aufgabe, an der viele langjährige Führungskräfte scheitern: Verantwortung abgeben und den Übergang organisieren. Gerne wäre Thorsten schon zwei Jahre früher kürzer getreten. Am Ende gelang der Übergang trotzdem, dank vieler Gespräche und bedachter Worte. Bei den Vereinsmeisterschaften überreichte der neue Vorsitzende Philipp Jaeschke Thorsten die Urkunde als erstes Ehrenmitglied beim TTV Preußen 90.

Komplett zurückziehen wird Thorsten sich damit noch nicht. Ratgeber des Vorstands, Mannschaftsführer bei der 2. Senioren und in der Siebten. Ganz ohne Verantwortung geht es dann eben doch nicht. Auch die Analyse beim Italiener oder im „Igel“ darf an Spieltagen nicht fehlen. Und wenn der Platz dort doch mal leer bleiben sollte, ist Thorsten wahrscheinlich mit seinem Wohnmobil unterwegs. Bis zur nächsten Herausforderung.

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